Histoire, Jeux Olympiques et Statistiques

 

Gründung des Schweizerischen Schwimmverbandes

Das Schwimmen war schon im alten Rom eine beliebte Beschäftigung. Die historischen Recherchen von Ernst Strupler zum 75-jährigen Jubiläum des SSCHV geben einen Einblick in die Entwicklung des Schwimmsports und erzählen die Gründungsgeschichte des SSCHV. (Ernst Strupler)

 

Schwimmen ist eine alte Gebrauchskunst, die auch in unserem Lande gepflegt wurde. Römische Schriftsteller und mittelalterliche Chronisten berichten von den schwimmerischen Fertigkeiten der germani­schen Stämme bzw. von schwimmerischen Leistungen helvetischer Krieger. Auch vom lustvollen, fröhlichen Badebetrieb in Zürich, Basel und Konstanz, kann man bei Nikolaus Wymanns Schilderungen aus dem Jahre 1538 nachlesen.

In der Zeit der Aufklärung setzte sich der Winterthurer Philosoph und Pädagoge, Johann Georg Sulzer (1720 - 1779) schon 1748 im Rahmen von Darlegungen über die Leibesübungen der Kinder in der Schule für das Schwimmen ein. 1822 veranlassten der schweizeri­sche Turnvater Phokion Heinrich Clias (1782 - 1854) im Berner Marzili und Philipp Emanuel von Fellenberg (1771 - 1844) im weltberühmten Institut in Hofwil, den Bau von künstlichen Schwimmbecken. In den Abend­lektionen der Berner Schulen ab 1805 und in Hofwil wurde das Schwimmen vorbildlich unterrichtet. Hofwil besass sogar im Keller eines Oekonomiegebäu­des ein Lehrschwimmbecken für den Schwimmunter­richt im Winter.

In den dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts, waren es Turner der neu gegründeten Turnvereine, die Schwimmunterricht organi­sierten, so in Aarau, Basel, Bern, Luzern und Zürich. Gegen das Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, begann sich eine "Freiluft-Körperkultur" zu entwickeln. In diese Bewe­gung passten vortrefflich das Sonnenbaden und der Schwimmsport. Viele Gemeinden an unsern Gewäs­sern bauten Fluss- und Seebadanstalten. Diese wiesen ringsum hohe Bretterwände auf. Der Badebetrieb war nach Geschlechtern getrennt.

Gründungsphasen des Schweizerischen Schwimmverbandes
Phase 1: Gründungsversammlung für einen Schweizerischen Schwimmverband 1906

Am Sonntag, den 4. Februar 1906 fand in Olten die Gründungsversammlung für einen Schweizerischen Schwimmverband statt. Vier Vereine waren der Einladung gefolgt: Der SC Schaffhausen, die Société Nautique Neuchâtel, der Rheinclub Rheinfelden und der SC Zürich. Ueberdies waren mehrere Freunde des Schwimmsportes zuge­gen; u.a. waren aus Bern zwei Schwimmlehrerinnen angereist. Zahlreiche Interessenten meldeten sich schriftlich, und sogar Bundespräsident Ludwig Forrer (1845 - 1921), (Bundesrat von 1903 - 1917; Bundes­präsident 1906 und 1912) hatte eine Grussbotschaft übermitteln lassen! Die Versammlung nahm einen po­sitiven Verlauf: Provisorische Statuten wurden ange­nommen; ein provisorischer Vorstand wurde gewählt und der Initiant der Gründungsversammlung, Julius Müller vom SC Zürich, übernahm das Präsidium.

Am 25. März 1906 fand die erste Verbandstagung des SSCHV in Bern statt. Im Café Merz in Bern trafen sich um 10.00 Uhr die Delegierten der schweizerischen Schwimmvereine. Julius Müller leitete wiederum die Versammlung. Ein­leitend verlas er zwei Glückwunschschreiben des Bun­despräsidenten und des Präsidenten des Deutschen Schwimmverbandes, Kallenbach, Breslau, sowie Gra­tulationen anderer Gönner. Turnlehrer Bandi von Bern überbrachte die Grüsse der Behörden und die Zusiche­rung der Unterstützung durch die öffentliche Hand, so­fern die Tätigkeit des Schwimmverbandes sich nicht nur in der Förderung eines einseitigen Sportbetriebes erschöpfe, sondern sich auch der Pflege des volkstüm­lichen Schwimmens annehme. Trotzdem die Verhandlungen in deutscher und franzö­sischer Sprache abgewickelt wurden, war es möglich, sowohl die Statuten, wie auch die Wettkampfsbestim­mungen sehr speditiv zu beraten und einstimmig zu beschliessen. Der definitive Vorstand setzte aus Julius Müller (Zürich, Präsident), Pain (Genf, Vize-Präsident), Armin Fornaro (Zürich, Sekretär), J. Guinchard (Neuenburg, Kassier), Erwin Böhme (Zürich, Schwimmwart) zusammen. Die Genfer Adolphe Blache, Joseph Corgier, Roy und Imhof wur­den Beisitzer und Fräulein Reinhardt, Lehre­rin, Bern, wurde als Beisitzerin, Vertreterin der Damen­schwimmvereine.

 

Das 1. Verbandsschwimmfest wurde auf den 22. Juli 1906 nach Zürich festgelegt. Es wurde vom Schwimmclub Zürich im Hafen Zürich Enge organisiert. Die Ausschreibung erschien auch in der "Schwimmer-Zeitung" des Deutschen Schwimmverbandes. Elf Schwimmkonkurrenzen, ein Hindernis­schwimmen, je ein Wettkampf im Rettungsschwim­men und Hechttauchen sowie ein "Juniorspringen" bil­deten den Rahmen um das Meisterschaftsschwimmen der Schweiz über 1540 m vom Festplatz Enge zur Ba­deanstalt Utoquai und zurück sowie der Schweizermeisterschaft im Springen über 10 Kürsprünge. Der Anlass war gross aufgezogen. Alle Wettkämpfe waren mit Preisen gut dotiert. Der Meldeerfolg war einmalig! Besonders aus Deutschland und Oesterreich reisten grosse Könner an, die in allen Disziplinen dominierten. Schweizerischer Schwimm-Meister wurde E. Bahnmei­ster, Poseidon Karlsruhe, der die 1540 m quer über den Zürichsee in 29 Minuten 34 Sekunden zurücklegte. Der beste Schweizer, Ernst Schmidt, SC Schaffhausen, belegte hinter Schwimmern von Frankfurt und Heil­bronn den 4. Rang. Der erste Schweizermeister im Wasserspringen hiess Paul Ohno, Delphin Stuttgart, vor Konkurrenten aus Köln und Wien. Gottlob Walz, der Olympia-Sieger von Athen, beteiligte sich nur ausser Konkurrenz.

Phase 2: Gründung der Fédération Suisse de Natation 1917

Die Jubiläumsschriften von Genève Natation 1885 und vom "Cercle des Nageurs de Nyon" geben hier kurz und bündig Auskunft. Le Cercle des Nageurs de Genève, der auf dem linken See- und Rhone-Ufer be­heimatet war und der "Club Genevois de Natation" vom rechten Ufer gründeten zusammen im Jahr 1917 die Fédération Suisse de Natation. A. Rochat und André As­simacopoulos, einst griechischer Internatio­naler im Schwimmen und im Wasserball, waren die In­itianten. Ihnen zur Seite standen die beiden Advokaten, Maître Simon und Maître Cosman. Der "Cercle des Nageurs de Nyon", CNN, der 1912 gegründet worden war, schloss sich sofort dem neuen Verband an.

Die noch junge FSN trat 1918 dem Schweizerischen Olympischen Komitee (SOC) bei, das sechs Jahre frü­her, nach den Olympischen Spielen in Stockholm 1912 gegründet worden war. Dieser rasche Schritt war ver­ständlich, denn auch das SOC war eine Gründung von Sportpersönlichkeiten aus der Romandie. Die Leitung des SOC lag in den Händen von Marcel Meyer de Sta­delhofen von Genf als Präsident und Dr. med. Francis-M. Messerli, Lausanne, als Gene­ralsekretär.

Schon zwei Jahre später, nämlich 1920, trat die FSN auch der FINA (Fédération Internationale de Natation Amateur) bei. Diese war anlässlich der Olympischen Spiele von London 1908 ins Leben gerufen worden, nachdem vorher schon ohne übergeordnete Instanz Europa-Meisterschaften organisiert worden waren.

Die beiden Beitritte der FSN zum SOC und zur FINA waren von grösster Wichtigkeit. Die Teilnahme an in­ternationalen Veranstal­tungen war so sichergestellt.

Phase 3: Gründung des SSCHV 1922

Willy Bühler, der gut dokumentierte Chronist des Schwimmklubs St. Gallen, der eines der seltenen Ar­chive seines Schwimmklubs hütet, ist der Meinung, dass der Schwimmverband seinen 75. Geburtstag erst auf das Jahr 1997 ansetzen dürfte. Willy Bühler be­gründet seine These anhand von Akten des Schwimm­klubs St. Gallen und des Ostschweizerischen Schwimmverbandes.

1907 erhielten die St. Galler ein Hallenbad, das Volks­bad, das noch heute in Betrieb ist. 1909 wurde der Schwimmclub St. Gallen gegründet, der eine ausseror­dentliche Aktivität entwickelte und in der Ostschweiz eine führende Rolle übernahm. Im Sommer trainierte man auf Dreilinden, im Winter im Volksbad. 1911 wurde eine Wasserballriege ins Leben gerufen. 1917 nahmen die St. Galler mit den Genfer Vereinen Fühlung auf, was zur 1. Schweiz. Wasserball-Meisterschaft in 2 Serien A und B führte. Das Finalspiel fand in Genf zwischen dem Cercle des Nageurs Genf und dem SC St. Gallen statt. St. Gallen gewann 2 : 1 und wurde erster Schweizer Wasserballmeister. Die Ostschweizer Vereine gehörten jedoch nicht der FSN an!

1919 wurde auf Initiative des St. Galler Präsidenten, Walter Wild, der Ostschweizerische Schwimmverband, dem sieben Vereine beitraten, gegründet.

Im Blick auf die Olympischen Spiele 1920 in Antwerpen nahmen die Ostschweizer mit der Fédération Suisse de Natation immer wieder Kontakte auf. Eine Fusion der beiden Verbände wurde angeregt; aber die Verhand­lungen waren nach ostschweizerischer Darstellung äusserst zähflüssig.

Am 7. August 1920 fand in Genf ein Ausscheidungs­spiel im Wasserball statt. In einem unfairen, ruppigen Spiel gingen die Ostschweizer 5:0 unter. Am 8. August wurden in Neuenburg die Einzelkonkurrenzen und ein Rückspiel im Wasserball ausgetragen. Für die Einzel­wettbewerbe in Antwerpen konnten die St. Galler Ar­mand Boppart für 400 m Brust und Carl Horn für 1500 m selektioniert werden. In der viel freundlicheren Neuen­burger Atmosphäre, Red Fish Neuchâtel war der Orga­nisator, gewannen die Ostschweizer das Wasserball-Rückspiel 5:1. In Antwerpen starteten aber nur Schwimmer der FSN. Boppart und Horn, die auf eigene Kosten zu den olym­pischen Spielen gefahren waren, konnten wegen "Form­fehlern" bei der Anmeldung durch den FSN nicht starten! Boppart, der spätere Kurs- und Schwimmwart des SSCHV, benutzte den Aufenthalt zur Weiterbildung und zu intensiven Studien der damaligen Weltspitzenklasse.

Die Kontakte auf praktischer, sportlicher Ebene zwi­schen der FSN und dem OSSV führten am 26. März 1922 in Olten endlich zur Fusion der beiden Verbände zum Schweizerischen Schwimmverband SSCHV / Fédération Suisse de Natation FSN. Zur Sicherstellung einer unparteiischen, objektiven und versöhnlichen Führung des Verbandes, wurde das Vorortssystem gewählt: Erster Vorort wurde Zürich. Zentralpräsident wurde Dr. med. Oscar Hug, ein in Sportkreisen bekannter Pionier. Ester Verbandsschwimmwart wurde der Schaff­hauser Ernst Schmidt, dem wir schon früher beim 1. Verbandsschwimmfest vom 22. Juli 1906 in Zü­rich begegnet sind. Der Vorstand des ersten Vorortes hatte keine leichte Aufgabe. Nach den St. Galler Protokollen waren diese Funktionäre zu konziliant und ernteten in der Ost­schweiz keine Lorbeeren. Diese Kritik ist sicher unbe­rechtigt, denn vor mir liegt ein gedrucktes Büchlein von 1922 mit den Statuten und den Wettkampfsbestim­mungen, die beim Überprüfen einen ausgezeichneten, durchdachten Eindruck hinterlassen.

Nachstehende Anlässe wurden geplant:

  • 30. Juli 1922: 1. offizielle Schweizerische Schwimm-Meisterschaften in Zürich
  • 6. August 1922: 1. Schwimmländerkampf Schweiz - Deutschland in Arosa

Im November 1922 wurde in Olten Red Fish Neuenburg als nächster Vorort für 1923/24 bestimmt. Damit war nun die gemeinsame, gesamtschweizerische Entwicklung unseres Verbandes eingeleitet. Der Zentralvorstand des SSCHV/FSN legte das offizi­elle Gründungsjahr auf das Jahr 1918 fest, weil damals die Genfergruppe sich beim Schweiz. Olympischen Komitee angemeldet hatte und somit einen offiziellen Status erhielt.

Ernst Strupler, 1993 

 

OLYMPIONIKEN des Schweizerischen Schwimmverbandes

Bisher war es nur einem Schweizer Athleten gelungen aufs Olympische Treppchen zu steigen: Bronzemedaille 1984 durch Etienne Dagon über 200m Brust in 2:17.41.

Liste der Olympia Starter

Anders als bei den Olympischen Spielen konnten an den Paralympics bisher mehr Medaillen (23) errungen werden. 1960 in Rom wurden die ersten offiziellen Sommerparalympics durchgeführt und seither sind die Schweizer Behindertenschwimmer und -schwimmerinnen regelmässig und erfolgreich vertreten.

WUSSTEN SIE, DASS...

  • ...die Startblöcke des Liestaler Bades beim Vorolympischen Meeting 1935 um 2 cm zurückversetzt werden mussten? Die Schwimmbahnen waren um 1 mm zu kurz, somit hätten allfällige Rekorde nicht anerkannt werden können.
  • ...bis 1941 Old Boys Basel und der Schwimmklub Bern (Hallenbadverreine) tonangebend waren?
  • ...während der Kriegsjahre die Liegeflächen des Terrassenschwimmbades in Baden der Anbauschlacht (Kartoffeln) zum Opfer fielen?
  • ...die vielgelobte warme Wassertemperatur des Hallenbades Zürich (1941, erste Wärmepumpe) lediglich 23 Grad Celsius betrug?
  • ...Wasserballspiele bei 15 Grad Wassertemperatur angepfiffen werden mussten? Bei tieferen Temperaturen konnten sich die Captains über die Durchführung absprechen.
  • ...viele Wettkämpfer bis in die 50er Jahre nur während der 2-3 Sommermonate im See oder Fluss ab 15 bis maximal 18 Grad trainieren konnten?
  • ...Max Frisch als Architekt der Schwimmwettkampfanlage Letzigrund im Einsatz war?
  • ...bis 1941 die regionalen Schwimmwettkämpfe erst nach den Landesmeisterschaften stattfanden?
  • ...dass an den Armeemeisterschaften 1941 vier Mann als Lebensretter aufgeboten wurden und sechsmal zum Einsatz kamen?
  • ...dass an den OS 1948 die Goldmedaillengewinnerin Greta Anderson bei ihrem zweiten Start kurz vor dem Ziel fast ertrunken wäre? Sie wurde von zwei Zuschauern aus dem Wasser gezogen.
  • ...der bekannte Verlagsleiter Jean Frey 1945 zum Vizepräsidenten des SSCHV gewählt wurde? Er war ausserdem mehrfacher Wasserballmeister (Schwimmclub Zürich) und Meister über 50 m Uniformschwimmen.
  • ...bis zu den 60er Jahren Rekorde nur anerkannt wurden, wenn sie im obligatorischen Seiden- oder Baumwolltricot geschwommen wurden? Es handelte sich um Einteiler für Damen und Herren, mit 3 cm breiten SchuItern, einem vorgeschriebenen Ausschnitt von 8 cm ab Halsansatz bis Brustbein und 10 cm langem Beinansatz. Die Damen hatten vorschriftsgemäss unter dem Tricot Slips zu tragen, und das wurde kontrolliert

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